Indien 2013 – Noch einmal ein paar Strandtage in Gokarna

Ahoj,
Heute (11.3.) sind wir in Badami angekommen. Sind gerade in unserem Hotelzimmer im Government Guest House und hoeren wir die Affen es gerade wieder getan haben… Die schlauen Tiere umlagern hier das Hotel (bestimmt eine Horde von 30 Exemplaren), tollen herum, machen krach und wenn sie Durst haben drehen sie draussen im Garten den Wasserhahn auf und trinken daraus. Nur nie machen sie ihn wieder zu!! So sitzen wir hier auf unserer Veranda, beobachten ihr Treiben durch das schuetzende Gitter (das gleiche machen sie uebrigens auch). Sie haengen an dem Gitter, schauen ob nicht doch eine Banane oder sowas unbeobachtet herumliegt, immer bereit sofort zuzuschlagen. Angeblich geht hier in Indien ca. 50% des Trinkwassers durch alte Leitungen verlohren – diese Affen hier machen diese Statistik allerdings auch nicht besser. Mindestens 5x hat hier schon jemand den Wasserhahn zugedreht (und einmal zusaetzlich Ivy), und schon fliesst das teure Nass wieder aus vollen Rohren… Ich muss schon wieder kurz weg, denn Ivy will, dass ich den Hahn persoenlich ausmachen gehe – wenigstens wir grossen Affen muessen bissel verantwortungsbewusst leben. Also bis gleich..

Angekommen sind wir vorhin nach einer Odyssey von mehreren Busfahrten. Angefangen hat alles heute morgens um 5 Uhr. Zuerst mussten wir einen Rikshafahrer aufwecken, der uns vom Om Beach zur Busstation von Gokarna bringen sollte. Der Arme, schlaeft in seinem Riksha und wird dann zu unchristlichen Zeiten geweckt. Wenigstens konnte er einen hoeheren Preis verlangen. Um 5:45 Uhr fuhr der recht komfortable Bus in Gokarna in Richtung Hubli ab (dauerte insgesamt 4 Stunden). Von dort mussten wir einen weiteren Bus nach Kulgeri nehmen (2 Stunden) um von dort die letzten 30 km nach Badami zu fahren. Die beiden letzten Busse fuhren schon auf deutlich unruhigerem Untergrund. Man musste bei jedem Schlagloch aufpassen nicht bis ganz an die Decke zu fliegen und dabei wurde man noch in Diskussionen mit Betelnuss kauenden Menschen verwickelt, die aber eigentlich kein Englisch konnten. Wer schon mal die roten Muender und Zaehne von solchen Leuten gesehen hat, der weiss, es ist kein appetitlicher Anblick. Ihnen ist dieser Fakt allerdings nicht bewusst, und sie kauen das Zeug mit breitem lachenden Muendern so lange sie nur koennen, damit der berauschende Wirkstoff auch wirklich zu Tage tritt.

Ohne diese Situation wuerden wir wohl aufgrund der sehr trockenen, trostlosen, flachen Landschaft einschlafen. Je weiter wir fuhren, umso mehr bemerkten wir, dass die Anzahl der englischen Buchstaben in gleichem Masse abnimmt, wie die Anzahl der armen Menschen und Bettler zunimmt. Viele Ochsenkarren fuhren mit Stroh beladen auf der Strasse, es wird immer heisser und als wir ausstiegen wurde uns bewusst, dass wir jetzt im heissen, untouristischen, laendlichen Indien angekommen sind. Zumindest heute haben wir keinen weiteren Touristen gesehen. Es scheint die Saison fuer diesen Teil Indiens ist langsam wegen der Hitze vorbei. Laut Internet erwarten uns hier so an die 40 Grad Celsius.

Den Indern scheint das nix auszumachen. Gerade heute sahen wir ueberall viele Maenner total von Kopf bis zum Fuss mit pinkem, gruenen und diversen anderen leuchtenden indischen Farbpulvern beschmiert, wild herumlaufend und lachend. Manche nur zu Fuss unterwegs, andere fahnenschwenkend auf Autoladeflaechen stehend. Ganze Teile der Strasse waren total pink. Die nette Busbegleiterin erlaeuterte uns die Szene: Hier in Karnataka fanden naemlich Buergermeisterwahlen statt und gerade heute wurden die Sieger verkuendet. Hier sieht man also, wie sich Sieger anscheinend in Indien zu benehmen haben.

Am Halfmoon Beach, Gokarna

Am Halfmoon Beach, Gokarna

In Gokarna verbrachten wir die letzten 4 Tage. Gokarna Town selbst ist ein kleines altes Staedtchen, das ein wichtiger Pilgerort ist. In der Umgebung gibt es allerdings eine Reihe von schoenen Straenden. Wir liessen uns mit dem Taxi bei unserer Ankunft am Bahnhof zum Om Beach bringen. Der Strand heisst so, weil seine beiden Buchten das heilige Om Symbol nachahmen. Aus dem Reisefuehrer suchten wir uns das Namaste Guest House aus, bekamen eine schoene Huette, waren aber anfangs enttaeuscht, da in dem Restaurant grosse russische Reisegruppen herumlungerten. Wir dachten schon, wenn die alle hier wohnen, wird das wohl keine ruhige Zeit fuer uns hier werden. Aber spaeter bekamen wir mit, dass die Russen vorwiegend nur als Tagestouristen aus den Resorts in Goa anreisen. Abends war es daher schon ruhiger. Zum Baden liefen wir zur hinteren Bucht des Om Beaches, hatten ein paar schoene Wellen und sahen einen tollen Sonnenuntergang.

Tags darauf liefen wir ueber die Klippen zum vorgelagerten Kudle Beach. Der ist viel breiter als der Om Beach. Wahrscheinlich ist das der schoenste der 4 Straende. Hier genossen wir das badewannenwarme Wasser, ein paar kuehle Getraenke und holten uns nen maechtigen Sonnenbrand, wie wir spaeter feststellen mussten. Ivy kaufte sich auch eine Halskette aus „Sun-Stone“ von einem der fliegenden Haendler. Die Steine glitzern wie Sonnen wenn man sie in die Sonne haelt. Weitere 20 Minuten Wanderung fuehrten uns dann nach Gokarna Town. Hier wollten wir uns die uralten Tempel ansehen, was uns aber nicht gelang, da sie seit einer Weile fuer Touristen gesperrt sind. Es kam wohl zu einigen unangebrachten Situationen durch Touristen, die sich nicht benehmen konnten, oder die die Tempelregeln nicht einhielten. Schade. Stattdessen bekamen wir aber an einer Stelle die Einladung zu einem kostenlosen Essen, welches hier taeglich an die Glaeubigen ausgegeben wird.

Die Gassen des Staedtchens sind teilweise mit bunten Baldachins verhangen. Die riesigen Tempelwagen stehen schon bereit, denn in ein paar Tagen findet das Shiva Ratri Festival statt, da kommen tausende Pilger in den Ort und die Wagen werden mit Gesang und Geschrei durch den Ort gezogen. Wir liessen uns hier etwas Treiben, ich kaufte mir eine Hose und ein Hemd und letzteres liessen wir dann noch gleich beim Schneider kuerzen. Abgerundet wurde der Tag mit ein Bummel ueber den Gemuesemarkt.

Die naechsten Tage ruhten wir uns aus, denn jeder von uns bekam etwas Fieber, der aber nach einem Tag jeweils ueberstanden war. Einmal wanderten wir noch zum Half Moon Beach und ein anderes mal zum Paradise Beach. Beides schoene Straende, die nur mit dem Boot oder eben zu Fuss zu erreichen sind. So gingen jedenfalls die wohl letzten Tage am Meer fuer diese Reise zu Ende…

Karte der Region:

Als naechstes stehen dann morgen die Hoehlentempel von Badami auf dem Programm. Bis dahin mit indischem Gruss

Ivy & Mirko