Speculum Alchemiae – Im Inneren eines mittelalterlichen alchemistischen Laboratoriums

Manchmal können Naturkatastrophen neben den immensen Schäden auch überraschende und positive Folgen haben. So geschehen hier in Prag im August des Jahres 2002. Nach langanhaltenden starken Regenfällen kam es hier, wie auch in anderen Teilen Europas, zu heftigen Überschwemmungen mit katastrophalen Folgen. In Tschechien starben aufgrund des Hochwassers 17 Personen. Die Schäden in Tschechien werden auf 3,3 Milliarden Euro geschätzt. 446 Ortschaften wurden überflutet, davon standen 99 vollständig unter Wasser. Direkt betroffen wurden 1,33 Millionen Menschen, 200.000 wurden evakuiert.

Während der Aufräumarbeiten in der Prager Altstadt entdeckte man lang vergessene, versteckte, unterirdische Gänge und Räume, die in den alten Zeiten als alchemistische Laboratorien benutzt wurden. Diese Labore sind heute auf der UNESCO World Heritage Liste zu finden.

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10 Jahre nach der ursprünglichen Entdeckung eröffnete in einem der ältesten Häuser der Stadt das Museum der Alchemie „Speculum Alchemiae“. Während dieser 10 jährigen Restaurierungsphase wurden die Räumlichkeiten basierend auf alten Bildern und Gravuren originalgetreu restauriert. Heute findet man hier einen Mix aus originalen und nachgebauten Objekten, aber die unterirdischen Gänge und die Labore selber sind alle authentisch, was den Besuchern erlaubt, die Atmosphäre eines chemischen Labors aus dem 16. Jahrhundert einzutauchen.

Wir hatten meine Eltern zu Besuch und ergriffen nun endlich einmal die Gelegenheit, dieser noch weitgehend unbekannten und neuen Sehenswürdigkeit der Stadt einen Besuch abzustatten.
Zunächst betritt man den Eingangs- und Verkaufsbereich des Museums in dem von Außen eher unscheinbaren alten Haus. Dieser ist schon interessant aufgemacht. Man findet hier skurril geformte Glaskolben, diverse Kräuter die zur Herstellung der verschiedenen Elixiere benutzt wurden und kann die Elixiere auch kaufen, die nach den gleichen Rezepten wie damals hergestellt wurden. Aber sobald man diesen Bereich hinter sich gelassen hat und die dicke Tür in das dahinterliegende Studierzimmer geschlossen hat, so fühlt man sich gleich in eine andere Zeit versetzt.

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Das Museum bietet ca. 30 minütige Führungen an, die entweder in tschechischer oder englischer Sprache durchgeführt werden. Wir hatten Glück und bekamen eine Privatführung, da keine weiteren Touristen anwesend waren. Unser Guide wusste viele interessante Geschichten über Alchemie im Allgemeinen und natürlich über die hier präsentierten Labore zu erzählen.

Im Studierzimmer erwartet uns eine alte Bibliothek, mit Replikaten von alten handgeschriebenen Büchern, diversen Fläschchen und Elixieren sowie weiteren okkulten Objekten. In den Zimmerecken befinden sich Symbole der 4 Hauptelemente (Feuer, Wasser, Erde und Luft) und im Zentrum des Zimmers befindet sich ein Leuchter, der die Energie der Elemente bündelt und über eine kleine Sonne hinunter in das Labor transportieren soll. Aber wo war der Eingang zu dem unterirdischen Labor? Eine Tür oder ähnliches war nicht zu sehen. Unser Guide betätigte einen versteckten Hebel in der Bibliothek und magischer weise klappte ein Teil der Bibliothek beiseite und es öffnete sich ein dunkler Gang hinunter zum Labor. Es war wie man es nur aus Märchenbüchern kennt.

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Es wird angenommen, dass das Labor auf Geheiß von Kaiser Rudolf II. gebaut wurde. Er war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1576 bis 1612 und ein großer Verehrer der Alchemie. Er konnte die besten Alchemisten Europas überreden an seinem Hof zu dienen, darunter Männer wie Edward Kelley, John Dee, Tycho de Brahe und Rabbi Löw. Die Geheimgänge verbanden die Laboratorien mit der Prager Burg, dem alten Rathaus und den Kasernen, so dass Rudolf II., sowie die Alchemisten selbst, unbemerkt zwischen diesen Orten herumwandern konnten.

Es gibt 3 Haupträume hier. Zunächst ist da ein kleiner Trockenraum, wo die Pflanzen und Kräuter aufbewahrt und getrocknet wurden, die in den Elixieren Verwendung fanden. Die 2. Kammer ist der Ort, wo das meiste der Magie passierte. Hier findet man Apparaturen zur Destillation von Pflanzen, Glaskolben und Gefäße zum Mischen der Elixiere und ein Transmutationsofen, in dem versucht wurde aus verschiedenen Metallen Gold herzustellen. Im 3. Raum befindet sich ein Glasbrennofen. Die Alchemisten stellen hier ihr eigenes Glas her, damit sie nicht entdeckt wurden.

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Die Alchemisten entwickelten hier zu der Zeit u.a. das Elixier für ewige Jugend und fanden angeblich den Stein der Weisen, mit Hilfe dessen unedle Metalle in Gold verwandelt werden konnten.

Wer sich für das alte, legendenumwobene, mystische Prag oder etwas für das Thema Alchemie interessiert, der wird bestimmt durch den Besuch des Museums nicht enttäuscht werden. Uns allen jedenfalls hat es sehr gefallen.

Hier noch die wichtigsten Daten für Touristen:

Addresse:
Haštalská 1,
11000 Prague 1

Website:
http://www.alchemiae.cz/en

Eintrittspreise:
Erwachsene – CZK 200
Studenten, Kinder, Senioren – CZK 150
Familienticket (2 Erwachsene, 2 Kinder) – CZK 500

Öffnungszeiten:
Montag – Sonntag: 9 – 18 Uhr
Geführte Touren: alle 30 Minuten

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