Ghana 2008 – Sirigu, Paga & Tongo Hills

Nachdem wir nun schon grüne Berge, wunderschöne Strände, Wasserfälle, uralte Lehmmoscheen und afrikanischen Busch erlebt hatten, wollten wir nun noch weiter in den Norden reisen. Ghana teilt sich seine nördliche Grenze mit Burkina Faso und verspricht mit seiner trockenen Savannenlandschaft und den kleinen Lehmdörfern sehr interessant zu werden. Wir nahmen den buckeligen alten Bus von Larabanga nach Wa um dann weiter mit dem Tro Tro nach Wechiau zu fahren, wo wir wieder umsteigen mussten um die letzten Kilometer zum Wechiau Hippo Sanctuary zurückzulegen. Zu diesem Zeitpunkt – es wurde bereits langsam dunkel – waren wir schon mit einer millimeterdicken Staub- und Dreckschicht überzogen. So ist das eben, wenn man mit teils offenen Gefährten die staubigen Straßen in großer Hitze zurücklegt.

Das Wechiau Hippo Sanctuary ist ein kleines Schutzgebiet an der westlichen Grenze zu Burkina Faso und widmet sich der Erhaltung der Nilpferdpopulation am Black Volta River. Man kann hier entweder in einfachen Lehmhütten übernachten, oder sich, wie wir es taten, ein Moskitonetz auf der kleinen Holzplattform aufhängen lassen und unter freiem Himmel schlafen. Mit dem Kanu ging es am nächsten Morgen hinaus auf den Fluss und wir konnten eine kleine Gruppe von Flusspferden beobachten.

Nachdem wir diese wunderbaren Tiere beobachtet hatten, machten wir uns auf den langen Weg hinauf nach Bolgatanga, der Hauptstadt der Upper East Region. Hier blieben wir ein paar Tage um trotz der Hitze hier verschiedenste touristische Highlights der Umgebung zu besuchen. In Bolgatanga genossen wir die schattigen Plätze in unserem Hotel, hörten Musik und lasen etwas in unseren Büchern, wechselten mal wieder Geld und übten uns im Djembe trommeln.

Den darauffolgenden Tag fuhren wir mit Mohammed, unserem Guide, mit dem Taxi durch die Gegend in der Nähe von Bolgatanga. Zunächst besuchten wir Sirigu, ein kleines Dorf fast an der Grenze zu Burkina Faso. Hier besichtigten wir die traditionellen Lehmhütten der Bevölkerung, die hier noch wunderschön von den Frauen des Dorfes bemalt werden.

Sirigu ist ein malerisches Dorf in der Upper East Region von Ghana in einer märchenhaften Savannenlandschaft mit wunderschönen, typisch nordischen, traditionell eingerichteten Häusern, Bäumen und Ackerland.

Die Leute von Sirigu sind hauptsächlich Landwirte, die vor allem Sorghum, Hirse und Erdnüsse anbauen und Vieh, Ziegen und Geflügel halten. Mehrere Jahre intensiver Landwirtschaft und schlechter Niederschläge haben das Land in dem Maße verschlechtert, dass heute auch die Subsistenzwirtschaft bedroht ist. Dies wird schlimmer durch niedrige Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und unzuverlässige Regenfälle.

Sirigu ist bekannt für seine Korbwaren, Töpferwaren, traditionelle Architektur und Wandmalereien. Viele Kinder verdanken ihre Ausbildung und Gesundheitswesen Einkommen aus dem Handwerk und traditionelle Kunst erzeugt von den Frauen von Sirigu erzeugt. Der konsequente Rückgang der Erträge aus der Landwirtschaft hat es noch dringender gemacht, diese Kunstformen wieder zu beleben und sie als eine wichtige Einkommensquelle für die Frauen für den Unterhalt ihrer Familien zu nutzen. Wie oben erwähnt, sind Frauen meistens an der Herstellung der Kunstwerke beteiligt, daher SWOPA (Sirigu Women Organization for Pottery and Art).

Außerdem besuchten wir ein ehemaliges Sklavencamp, wo wir mehr über die schreckliche Geschichte des Sklavenhandels erfahren konnten. Wir sahen die Stellen wo bis zu 200 Sklaven pro Woche an Bäumen gekettet wurden, sahen ihre Essensschalen (in den Fels geritzt), den Unterhaltungsbereich um sie bei „Laune“ zu halten – das waren 2 Steine, die besondere Töne abgaben, wenn man mit Steinen draufschlägt. Sie dienten als Trommeln. Außerdem sahen wir den Friedhof für die toten Sklaven, den Wachturm der Sklaventreiber und den Folterplatz.

Der vielleicht interessanteste Teil des Tages war der Besuch der Tongo Hills. Hier hoch im Norden leben die Menschen noch nach ihrem animistischen Glauben. So gibt es unzählige kleine Schreine, wo Tieropfer gebracht werden, um die Geister zu besänftigen und um für eine gute Ernte oder Ähnliches zu bitten. Die Landschaft ist durchzogen mit riesigen Baobabbäumen, kleinen Lehmdörfern und imposanten Gesteinsformationen, die so aussahen, als ob jemand Spaß hatte, die Felsbrocken am geschicktesten und waghalsigsten übereinander zu stapeln. Wir besuchten den Chief von Tengzug, ein Patriarch mit derzeit 17 Frauen und nahezu 300 Verwandten, die alle hier im Dorfkomplex zusammenleben. Er gab uns eine Audienz auf seinem Dorfthron und stimmte uns auf den späteren Besuch des sehr heiligen Schreins von Tengzug ein.

Zuerst sahen wir die Donkey-Cave, ein Felsvorsprung, wo unzählige Eselschädel aufgebahrt waren. Anschließend gingen wir zum größten Heiligtum der Region, dem „Ba’ar Tonna’ab Ya’nee“ Schrein. Dort wurden bereits Unmengen an Opferungen vorgenommen – die Wände waren mit Sheabutteröl eingerieben, Knochen lagen herum. Der Schrein selber lag unter einem engen versteckten Vorsprung hoch oben auf einem der Hügel der Region und darf nur ‚Oben ohne‘ besucht werden.

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